Selma (Emma)

Liebe Freundinnen und Freunde aus der Tieroase,

nun wohne ich seit etwas mehr als zehn Wochen in Viersen und fühle mich dabei wirklich gut. Frauchen und Herrchen kümmern sich ganz toll um mich. Ich habe sie aber auch gut im Griff.

Der wichtigste Raum im Haus ist die Küche. Wenn sich jemand darin aufhält, muss ich einfach dabei sein. Es macht mir dann auch nichts aus, wenn Frauchen oder Herrchen um mich herum laufen müssen, weil ich mitten im Weg liege. Besonders interessant in der Küche ist der Kühlschrank. Was kommen da oft leckere Sachen heraus! Ab und zu fällt für mich eine Scheibe Schinkenwurst ab. Das Beste aber ist das fettreduzierte Rindergehackte, das ich manchmal mittags bekomme. Dann drehe ich fast durch und tanze um meine eigene Achse, wenn die Schüssel zur Futterstelle getragen wird.

Seit einigen Wochen laufe ich durch den Wald ohne Leine. Vorher waren wir zweimal auf eingezäunten Auslaufflächen. Da habe ich Herrchen gezeigt, dass ich am liebsten in seiner Nähe bleibe. Mit den anderen Hunden dort habe ich mich gut verstanden. Sie waren für mich aber nicht besonders interessant. Zuerst war ich nur kurze Strecken ohne Leine, inzwischen laufe ich auf dem Busch fast nur noch frei. Nur wenn andere Hunde uns entgegenkommen, leint Herrchen mich noch kurz an, weil ich andere Hundeweibchen gerne ankläffe. Rüden sind kein Problem, aber auch bei Weibchen werde ich inzwischen etwas ruhiger und gehe manchmal kommentarlos vorbei.

Was wir so alles erleben bei unseren Spaziergängen! Hasen, Kaninchen und vor allem Eichhörnchen sind ja so interessant! Am liebsten würde ich hinter ihnen herjagen, wenn ich sie entdecke. Aber Herrchen kennt die Stellen, wo sie sich besonders gerne aufhalten und leint mich dort an. Inzwischen werde ich aber ruhiger. Vögel scheuche ich schon nicht mehr auf, die kriege ich ohnehin nicht. Die einzige Beute bisher war eine Maus, die ich mit einem gezielten Sprung erlegt habe. Gefressen habe ich sie aber nicht, weil Herrchens Leckerlis interessanter waren.

Einmal kamen uns auf einem schmalen Waldweg zwei richtig große Hunde entgegen. Da saß jeweils ein Mädchen darauf. An der Leine bin ich ganz dicht daran vorbei gegangen. Ich hatte überhaupt keine Angst, allerdings haben mich die Hunde auch nicht interessiert. Als wir vorbei waren, hat mir Herrchen erzählt, dass das Pferde waren. Man lernt also auch im hohen Alter noch dazu.

Vor ein paar Tagen war ich bei der Tierärztin, damit sie mich einmal kennenlernen sollte. Sie und ihre Helferinnen waren sehr lieb zu mir. Daher war ich die ganze Zeit über wirklich gelassen. Die Ärztin meinte, dass ich in einer guten Form bin und hatte keine Bedenken, dass ich noch etliche Jahre leben könne. Das hört man ja gerne. Ich kratze mich recht häufig an verschiedenen Stellen. Flöhe und Zecken sind aber nicht der Grund, wahrscheinlich ist es der Fellwechsel. Im Moment verliere ich nämlich viel Unterwolle, und das kann ganz schön jucken. Meine Haut ist ein wenig trocken, dagegen bekomme ich jetzt eine Kur. Bald werde ich mich hoffentlich nicht mehr so viel kratzen. Im Oktober werde ich wieder in die Praxis gehen zum Impfen. Insgesamt war mein Besuch gar nicht schlimm.

Dabei hatte ich mich geweigert, in den Flur zu gehen. Ich mag es nämlich überhaupt nicht, wenn ich in geschlossene Räume soll, die ich nicht kenne. Selbst die weit geöffnete Eingangstür in ein Einkaufszentrum ist mir unangenehm. Da muss Herrchen schon kräftig ziehen. Ansonsten machen mir Spaziergänge in die Stadt nichts aus. Ich habe keine Angst, im Gegenteil: Es gibt ja so viel Neues zu entdecken. Aber in die Gebäude gehe ich nur ungern. Da warte ich doch lieber davor. Ich weiß ja, dass Herrchen immer wiederkommt.

Auf dem Busch gehe ich auch nur ungern in Schutzhütten, die hinten geschlossen sind. Da würde ich mich lieber draußen nassregnen lassen. Ich habe Euch ja schon geschrieben, dass ich anfangs nicht ins Auto wollte. Das hatte wohl den gleichen Grund, die Enge. Inzwischen springe ich aber freiwillig in den Kofferraum. Ich bin eben ein unkomplizierter Hund.

Ich glaube, Ihr kennt nun ein wenig meinen Alltag und könnt nachvollziehen, dass es mir gut geht,

Eure Emma.

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